Ja, dieser Blogeintrag ist ein bisschen lang, aber bestimmt nicht langweilig. Vielleicht habt ihr ja ein bisschen Zeit und könnt dann auch die vielen spannenden Links anklicken? ;-)
Heute waren Shahaf und ich in Jerusalem in der
Knesset. Wie ihr ja wahrscheinlich alle wisst, ist die Knesset das israelische Parlament.
Shahaf nun (er ist ja politisch aktiv) hatte dort ein Treffen mit dem Komittee für Bildung zum Thema Redefreiheit an der Uni Haifa. Hintergrund des Ganzen ist ein Treffen der Studenten der
Meretz mit ihrer Knesset-Abgeordneten
Zehava Gal-On, welches von der Uni Haifa offensichtlich überwacht, aufgezeichnet und archiviert wurde. (Die Studierenden trafen sich mit Zehava Gal-On in der Cafeteria der Universität, überwacht von Sicherheitsangestellten der Uni.)
In dem Treffen ging es nun darum, dass die verschiedenen Parteien (Studierende, Dekan und Sicherheitsangestellte der Uni sowie Knessetabgeordnete) dieses Problem besprachen und dann eine Entscheidung durch den Vorsetzenden des Bildungsausschusses getroffen wurde. Anwesend waren mehrere Knesset-Abgeordnete, neben Zehava Gal-On auch der Vorsitzende der Partei
Jossi Beilin,
Ran Cohen sowie weitere Abgeordnete.
Da die Sitzung natürlich in Hebräisch abgehalten wurde, verstand ich nicht alle Einzelheiten; trotzdem war es sehr interessant - nur schon zu sehen, wie anders das Diskussionsverhalten war: Sehr angeregt, sehr laut, fast aggressiv (also nicht schweizerisch-brav), dabei war's - gemäss Shahaf - sogar noch eher harmlos.
Das Ergebnis der Sitzung: Die Studierenden der Uni Haifa bekamen auf der ganzen Linie Recht. Der Dekan konnte gar nicht richtig erklären, warum er es den Studierenden nicht erlauben wollte, in den Gebäuden der Universität politische Treffen abzuhalten und wieso er es für wichtig erachtet, politische Aktivitäten zu überwachen und zu archivieren; er schweifte bei seiner Erklärung in absurde Richtungen ab, so erzählte er zum Beispiel, dass es nicht erlaubt sei, auf dem Campus Fahnen zu hissen (auch nicht die israelische), aus Angst, dass dann jemand die palästinensische Fahne raushängen könnte.
Für mich war es natürlich äusserst spannend, nicht nur an der Sitzung teilzunehmen, sondern auch allgemein in der Knesset als Besucherin rumzulaufen. Ich konnte da natürlich nicht einfach so rein, sondern musste eine Einladung vorweisen, die auf meinen Namen und meine Passnummer ausgestellt war. Beim Eingang gab es Securitychecks wie am Flughafen; meine Tasche wurde durchsucht und mein Schweizer Handy musste ich in der Garderobe abgeben, weil der Akku leer war, ich es also nicht anschalten und somit auch nicht beweisen konnte, dass es auch wirklich ein Handy ist.
Die Angestellten, die in der Knesset arbeiten, waren alle sehr aufmerksam und hilfsbereit und konnten mir auf Englisch erklären, wo ich denn genau hin musste (Shahaf und ich wurden beim Eingang getrennt - er hatte seinen Besucherausweis schon, ich musste beim Besuchereingang den zuerst abholen gehen).
--
Jerusalem war übrigens heute allgemein sehr interessant.
US-Präsident Bush ist nämlich gerade zu Besuch in Israel und ist gerade heute Morgen in Tel Aviv angekommen und wurde von dort nach Jerusalem geflogen. Dazu musste nicht nur
10000 Polizisten und Militärs für Sicherheit sorgen (an jeder grösseren Kreuzung standen Polizisten, die Innenstadt war mehrheitlich abgesperrt, ebenso die Zufahrtsstrasse), nein, für Präsident Bush wird sogar das
Licht ausgemacht. ;-)
(Bush will übrigens, wie schon Clinton vor ihm, sich in seinem letzten Amtsjahr darum bemühen, endlich den Nahost-Konflikt zu lösen. Zuerst wird der Konflikt sieben Jahre lang nahezu ignoriert, dann plötzlich kommen grosse Anstrenungen - man will schliesslich als der Präsident in die Geschichte eingehen, der es geschafft hat, diesen langwierigen und komplizierten Konflikt zu lösen. Möge Bush dabei mehr Erfolg beschieden sein als seinem Vorgänger.)
Aufgrund all dieser Sicherheitsmassnahmen schienen sich viele Israelis dazu entschieden haben, zu Hause zu bleiben, und so hatten wir das Vergnügen, für einmal durch halb leere Strassen im sonst chronisch verstopften Jerusalem zu fahren.
--
Auf dem Rückweg (wiederum sehr angenehm, die Gegenrichtung war für jeglichen Privatverkehr gesperrt, unsere Richtung halb leer) machten wir Halt in
Abu Gosh für ein leckeres Mittagessen in einem libanesischen Restaurant. (Interessanter Link übrigens, die Geschichte von Abu Gosh war mir nicht bekannt.)
Gleich beim Verlassen des Restaurants flogen drei riesige Helikopter über unseren Köpfen in Richtung Jerusalem. Gemäss Medienberichten war darin eben u.a. George W. Bush. Ein wenig später kamen uns dann mehrere Wagenkolonnen mit Polizeibegleitung entgegen, eine der Wagenkolonnen wurde sogar von einem Polizeihubschrauber begleitet - da fuhr wahrscheinlich Ehud Olmert mit (also in der Kolonne, nicht im Hubschrauber).
--
Ja, und danach waren wir mal wieder in Jaffo, wo ich diesmal gleich drei Bettüberwürfe gekauft habe. Der Verkäufer wollte 450 Shekel pro Bettüberwurf, schlussendlich hab ich 750 für alle drei bezahlt. :D (Shahaf meint, langsam könne ich wirklich als Einheimische durchgehen.)
--
Dies an Neuigkeiten für heute, morgen geht's, wie bereits erwähnt, ans Ehud-Banai-Konzert. Ich freue mich.
La_Mia - 9. Jan, 18:34