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Sonntag, 2. August 2009

Ein Schweizer, der versucht hat, Hitler zu töten

Bei der Suche nach Informationen für meine Lizentiatsarbeit bin ich zufällig auf einen Schweizer gestossen, der in den 1930er Jahren versucht hat, Hitler zu töten.

Maurice Bavaud wurde am 15. Januar 1916 in Neuchâtel geboren. Er war gläubiger Katholik, hat eine katholische Privatschule besucht und eine Missionarsausbildung angefangen, die er aber 1938 überraschend abbrach. Im selben Jahr reiste er nach Deutschland, wo er sich jeweils dort aufhielt, wo sich Hitler gemäss Medienberichten aufhalten sollte. Seine Absicht war, Hitler zu töten. Aus diesem Grund nahm er mehrere Male an Naziveranstaltungen teil, bewaffnet mit einer Pistole.

Seine Attentatsversuche scheiterten aber wiederholt, weil einerseits die Sicht auf Hitler von Zuschauern versperrt wurde, andererseits weil er zu weit weg von ihm stand. Schliesslich gab Maurice Bavaud auf, reiste mit dem Zug nach Paris. Weil er jedoch nicht genug Geld hatte, um sich eine Fahrkarte zu kaufen, wurde er bei einer Kontrolle erwischt: Bei sich trug er die Pistole und Schreiben, die offensichtlich seine Attentatsabsichten bewiesen. Unter Folter durch die Gestapo gestand er seine Pläne.

Beim Prozess vor dem Volksgerichtshof im Dezember 1939 gab er als Motiv an, dass er Hitler töten wollte, weil dieser eine Gefahr für die Menschheit und für die Unabhängigkeit der Schweiz sei.

Die Schweizer Diplomatie liess Bavaud im Stich: Der Attentatsversuch wurde als „verabscheuungswürdige Tat“ bezeichnet; der Austausch Bavauds gegen einen deutschen Saboteuren wurde von der Schweiz abgelehnt.

Maurice Bavaud wurde zum Tode verurteilt und am 14. Mai 1941 hingerichtet.

Der Nationalrat Paul Rechsteiner hat wiederholt Motionen zur Rehabilitierung und Anerkennung von Maurice Bavaud eingereicht. In einer Motion, in welcher er den Bundesrat dazu einlud, eine Erklärung zum 70. Jahrestag des Attentats abzugeben, schreibt er:

Wäre das Attentat erfolgreich gewesen, hätte Hitler weder den Angriffskrieg auslösen noch die Ermordung von Millionen von Juden anordnen können.
[...]
Mit einer Erklärung des Bundesrates kann der Respekt und die Anerkennung für die Tat von Maurice Bavaud ausgedrückt werden. Sie kann gleichzeitig dem Bedauern darüber Ausdruck geben, dass die Bundesbehörden damals nicht mehr zu seiner Rettung unternommen haben.


Nachzulesen hier.


Folgend die Antwort des Bundesrates:

In memoriam Maurice Bavaud

Vor 70 Jahren, am 9. November 1938, unmittelbar vor Beginn der Reichskristallnacht, versuchte der Schweizer Maurice Bavaud vergeblich, Adolf Hitler in München anlässlich eines Aufmarsches der Nazis vor der Feldherrenhalle zu töten. Eine Woche später wurde er verhaftet, von der Gestapo verhört und ins Gefängnis Augsburg verbracht. Am 18. Dezember 1938 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und am 14. Mai 1941 im Gefängnis Berlin-Plötzensee enthauptet.

Aus heutiger Sicht hatten sich die Schweizer Behörden damals zu wenig für den Verurteilten eingesetzt und sahen von einer Intervention gegenüber den deutschen Behörden ab.

Maurice Bavaud gab als Grund für seine gescheiterte Tat an, Hitler sei eine Gefahr für die Menschheit, für die Unabhängigkeit der Schweiz und für die christlichen Kirchen in Deutschland. Er hatte wohl das Verhängnis, das Hitler über die ganze Welt brachte, vorausgeahnt, und er verdient damit unsere Erinnerung und Anerkennung.


Nachzulesen hier.

Wikipedia schreibt unter „Sonstiges“:

Als Reaktion auf die Attentatspläne Maurice Bavauds wurde auf persönlichen Befehl Hitlers die Aufführung von Friedrich Schillers Drama Wilhelm Tell in Deutschland sowie dessen Behandlung im Schulunterricht verboten. Eine Assoziation zwischen dem Schweizer Freiheitskämpfer und dem Attentäter sollte so vermieden werden.

Weitere Links:

NZZ zum Thema.
Tagi zum Thema. (Die Kommentare auf den Tagi-Artikel sind teilweise ziemlich ekelhaft.)
Porto - 3. Aug, 14:46

... und dann flüchtet man sich in Gedanken wie: Das würde heute nieeeeee mehr passieren. Heute würde die Regierungen sich viiiiiiiiel mehr für mutige Menschen einsetzen...

Aha...

schneekoenigin - 4. Aug, 22:31

ja, und nichts hat man aus der Geschichte gelernt. Nicht einmal, zu Fehlern zu stehen, welche gemacht wurden.

Begegnung am 1. August in einer Bäckerei

"Schweizer kann jeder werden, aber nicht Eidgenosse" (wie stolz kann man darauf sein). So sah er auch aus!

Und dazu noch ein Zitat aus dem Pfarreiblatt:
"Es würde vieles erträglicher werden,
wenn man weniger selbstzufrieden wäre
und die Vaterlandsliebe nicht immer mit
der Selbstbewunderung verwechselte"

La_Mia - 4. Aug, 22:35

"Schweizer kann jeder werden, aber nicht Eidgenosse" - das hab ich auch schon gehört. Auf Facebook gibt's eine Gruppe mit diesem Namen, die Leute drin sehen entsprechend aus. :-S

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