Als hätte ich nichts Besseres zu tun - Mail an die 20min-Redaktion
Sehr geehrte 20minOnline-Redaktion
Ich habe einige Hinweise zu Ihrer Fotostrecke, die beim Artikel „Panzer in Gaza Stadt“, publiziert am 11.01.2009; 11:02, zu finden ist.
Link: http://www.20min.ch/news/dossier/nahost/story/Panzer-in-Gaza-Stadt-15893954
Gleich beim ersten Bild dieser Fotostrecke schreiben Sie als Bildunterschrift: „Israelische Siedler beobachten den Kriegsverlauf auf einem Hügel im Kibbutz Nir Am.“ Ich bin mir nicht sicher, was Sie mit der Verwendung des Wortes „Siedler“ in diesem Zusammenhang ausdrücken oder implizieren möchten. Tatsache ist, dass Siedler im üblichen Sprachgebrauch in Bezug auf Israel diese Menschen beschreibt, die ausserhalb des israelischen Kernlands in den besetzten Gebieten leben. Die Menschen, die Sie auf ihrem Bild zeigen, sind mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit keine Siedler, sondern israelische Bürger, die in der Umgebung des Gazastreifens leben - auf der israelischen Seite der Grenze.
Diese israelischen Bürger können und dürfen nicht Siedler genannt werden, es sei denn (was ich nicht annehme), Sie sympathisieren mit den Forderungen der Hamas, die der Ansicht ist, dass ganz Israel eigentlich eine Besetzung palästinensischen Landes ist, dass Israel also von der Landkarte verschwinden muss und stattdessen (auf dem Gebiet des heutigen Israel sowie auf den palästinensischen Hohheitsgebieten) ein palästinensischer Staat entstehen muss.
Im Gazastreifen selber gibt es seit einigen Jahren übrigens keine israelischen Siedler mehr, Israel hat sich 2005 vollständig aus dem Gazastreifen zurückgezogen.
Ihre Bildunterschrift – ich unterstelle Ihnen dabei keine Absicht sondern allenfalls Unwissenheit – ist insofern falsch und tendenziös und sollte baldmöglichst korrigiert werden.
Was Sie in Ihrer Bildstrecke wiederholt sehr schön zeigen (es gibt vier Bilder dazu), aber nicht kommentieren, ist, dass die Raketen der Hamas üblicherweise aus bewohntem Gebiet abgeschossen werden.
Eine weitere Hamas-Rakete fliegt aus dem Gazastreifen in Richtung Israel. (Bild: AP Photo/Anja Niedringhaus)
Eine palästinensische Rakete hinterlässt eine Rauchspur über Gaza Stadt. (Bild: AP Photo/Tara Todras-whitehill)
Eine weitere Raketen fliegt aus dem Gazastreifen. (Bild: Keystone/Bernat Armangue)
Noch immer fliegen Qassam-Raketen der Hamas nach Israel. (Bild: Keystone/Pavel Wolberg)
Auf allen vier Bildern ist klar zu sehen, dass sich der Abschussort der Rakete in bewohntem Gebiet befinden muss, Häuser sind in unmittelbarer Nähe zu sehen. Dass diese Tatsache Ihnen keinen Kommentar wert ist, verwundert mich, bringt die Hamas damit (denn natürlich muss sie mit einer Reaktion Israels rechnen) leichtfertig und bewusst das Leben der palästinensischen Bevölkerung in Gefahr.
Einen weiteren Kommentar habe ich zu dem Bild von dem getroffenen Kindergarten in Aschdod. Sie schreiben dort: „In der israelischen Stadt Aschdod wurde am 5. Januar ein Kindergarten von einer Hamas-Rakete getroffen. Er war glücklicherweise leer.“ In der Tat ist es ein grosses Glück, dass der Kindergarten zu diesem Zeitpunkt leer ist. Tatsache ist aber zudem, dass im ganzen Umkreis des Gazastreifens keine Schulen und Kindergärten geöffnet sind. Es ist also nicht in erster Linie dem Glück zuzuschreiben (obwohl es natürlich von grossem Glück spricht, dass bisher nicht mehr Israeli durch Hamas-Raketen getötet worden sind), sondern der Vorsicht der israelischen Regierung und der jeweiligen Stadtverwaltungen, die lieber die Schulen schliessen, als bei eben solchen Angriffen Kinderleben zu gefährden. Ganz im Gegensatz zur Hamas, die – wie ich bereits ausgeführt habe – das Leben ihrer Bevölkerung bewusst auf’s Spiel setzt, kann sie doch mit den entsprechenden Bildern ihren Propagandakrieg vorwärtstreiben.
Eine Propaganda übrigens, die von 20min offensichtlich gerne übernommen wird, zeigen Sie doch wiederholt Bilder von verletzten und toten Kindern:
Ein Mann trägt ein Mädchen ins Spital in Gaza Stadt. Nach palästinensischen Angaben wurde das Madchen durch einen israelischen Luftangriff getötet, 5. Januar 2009. (Bild: AP Photo/Khalil Hamra)
Verwandte versammeln sich um die Leiche von Nadia Saad (15) im Leichenschauhaus des Schifa-Spitals in Gaza Stadt am 5. Januar 2009. (Bild: AP Photo/Majed Hamdan)
Palästinensisches Spitalpersonal fährt ein verletztes Mädchen zur Behandlung in Beit Lahia. (Bild: AP Photo/Fadi Adwan)
Ein verletztes plästinensisches Mädchen wird in den Shifa Spital getragen. (Bild: Keystone/Ashraf Amra)
Ein Artikel von Spiegel Online zeigt sehr schön die Mechanismen hinter der Hamas-Propaganda auf: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,600567,00.html
Ich persönlich finde es bedenklich, dass Sie so viele Bilder von verletzten Menschen (nicht nur Kinder) in Ihrer Bildserie zeigen. Es geht mir dabei nicht in erster Linie um den Eindruck, den Sie dabei bei Ihrer Leserschaft hinterlassen (nämlich der falsche Vorwurf, dass sich Israels Militäraktion vor allem gegen die unschuldige Zivilbevölkerung richtet), es geht mir dabei um eine gewisse Pietät, um den Respekt vor der Menschenwürde. Israel zeigt übrigens aus genau diesem Grund üblicherweise weder Bilder von toten oder verletzten israelischen Bürgern, auch entsprechende Bilder aus Gaza werden unkenntlich gemacht.
Im Übrigen freue ich mich, dass Sie in Ihrer Bildstrecke beide Seiten zeigen, auch wenn die israelische meines Erachtens tendenziell unterrepräsentiert ist.
Ich würde mich über eine Stellungnahme oder Antwort zu meiner Mail freuen und hoffe auf eine Richtigstellung der betreffenden Bilder.
Herzliche Grüsse
S.
Ich habe einige Hinweise zu Ihrer Fotostrecke, die beim Artikel „Panzer in Gaza Stadt“, publiziert am 11.01.2009; 11:02, zu finden ist.
Link: http://www.20min.ch/news/dossier/nahost/story/Panzer-in-Gaza-Stadt-15893954
Gleich beim ersten Bild dieser Fotostrecke schreiben Sie als Bildunterschrift: „Israelische Siedler beobachten den Kriegsverlauf auf einem Hügel im Kibbutz Nir Am.“ Ich bin mir nicht sicher, was Sie mit der Verwendung des Wortes „Siedler“ in diesem Zusammenhang ausdrücken oder implizieren möchten. Tatsache ist, dass Siedler im üblichen Sprachgebrauch in Bezug auf Israel diese Menschen beschreibt, die ausserhalb des israelischen Kernlands in den besetzten Gebieten leben. Die Menschen, die Sie auf ihrem Bild zeigen, sind mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit keine Siedler, sondern israelische Bürger, die in der Umgebung des Gazastreifens leben - auf der israelischen Seite der Grenze.
Diese israelischen Bürger können und dürfen nicht Siedler genannt werden, es sei denn (was ich nicht annehme), Sie sympathisieren mit den Forderungen der Hamas, die der Ansicht ist, dass ganz Israel eigentlich eine Besetzung palästinensischen Landes ist, dass Israel also von der Landkarte verschwinden muss und stattdessen (auf dem Gebiet des heutigen Israel sowie auf den palästinensischen Hohheitsgebieten) ein palästinensischer Staat entstehen muss.
Im Gazastreifen selber gibt es seit einigen Jahren übrigens keine israelischen Siedler mehr, Israel hat sich 2005 vollständig aus dem Gazastreifen zurückgezogen.
Ihre Bildunterschrift – ich unterstelle Ihnen dabei keine Absicht sondern allenfalls Unwissenheit – ist insofern falsch und tendenziös und sollte baldmöglichst korrigiert werden.
Was Sie in Ihrer Bildstrecke wiederholt sehr schön zeigen (es gibt vier Bilder dazu), aber nicht kommentieren, ist, dass die Raketen der Hamas üblicherweise aus bewohntem Gebiet abgeschossen werden.
Eine weitere Hamas-Rakete fliegt aus dem Gazastreifen in Richtung Israel. (Bild: AP Photo/Anja Niedringhaus)
Eine palästinensische Rakete hinterlässt eine Rauchspur über Gaza Stadt. (Bild: AP Photo/Tara Todras-whitehill)
Eine weitere Raketen fliegt aus dem Gazastreifen. (Bild: Keystone/Bernat Armangue)
Noch immer fliegen Qassam-Raketen der Hamas nach Israel. (Bild: Keystone/Pavel Wolberg)
Auf allen vier Bildern ist klar zu sehen, dass sich der Abschussort der Rakete in bewohntem Gebiet befinden muss, Häuser sind in unmittelbarer Nähe zu sehen. Dass diese Tatsache Ihnen keinen Kommentar wert ist, verwundert mich, bringt die Hamas damit (denn natürlich muss sie mit einer Reaktion Israels rechnen) leichtfertig und bewusst das Leben der palästinensischen Bevölkerung in Gefahr.
Einen weiteren Kommentar habe ich zu dem Bild von dem getroffenen Kindergarten in Aschdod. Sie schreiben dort: „In der israelischen Stadt Aschdod wurde am 5. Januar ein Kindergarten von einer Hamas-Rakete getroffen. Er war glücklicherweise leer.“ In der Tat ist es ein grosses Glück, dass der Kindergarten zu diesem Zeitpunkt leer ist. Tatsache ist aber zudem, dass im ganzen Umkreis des Gazastreifens keine Schulen und Kindergärten geöffnet sind. Es ist also nicht in erster Linie dem Glück zuzuschreiben (obwohl es natürlich von grossem Glück spricht, dass bisher nicht mehr Israeli durch Hamas-Raketen getötet worden sind), sondern der Vorsicht der israelischen Regierung und der jeweiligen Stadtverwaltungen, die lieber die Schulen schliessen, als bei eben solchen Angriffen Kinderleben zu gefährden. Ganz im Gegensatz zur Hamas, die – wie ich bereits ausgeführt habe – das Leben ihrer Bevölkerung bewusst auf’s Spiel setzt, kann sie doch mit den entsprechenden Bildern ihren Propagandakrieg vorwärtstreiben.
Eine Propaganda übrigens, die von 20min offensichtlich gerne übernommen wird, zeigen Sie doch wiederholt Bilder von verletzten und toten Kindern:
Ein Mann trägt ein Mädchen ins Spital in Gaza Stadt. Nach palästinensischen Angaben wurde das Madchen durch einen israelischen Luftangriff getötet, 5. Januar 2009. (Bild: AP Photo/Khalil Hamra)
Verwandte versammeln sich um die Leiche von Nadia Saad (15) im Leichenschauhaus des Schifa-Spitals in Gaza Stadt am 5. Januar 2009. (Bild: AP Photo/Majed Hamdan)
Palästinensisches Spitalpersonal fährt ein verletztes Mädchen zur Behandlung in Beit Lahia. (Bild: AP Photo/Fadi Adwan)
Ein verletztes plästinensisches Mädchen wird in den Shifa Spital getragen. (Bild: Keystone/Ashraf Amra)
Ein Artikel von Spiegel Online zeigt sehr schön die Mechanismen hinter der Hamas-Propaganda auf: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,600567,00.html
Ich persönlich finde es bedenklich, dass Sie so viele Bilder von verletzten Menschen (nicht nur Kinder) in Ihrer Bildserie zeigen. Es geht mir dabei nicht in erster Linie um den Eindruck, den Sie dabei bei Ihrer Leserschaft hinterlassen (nämlich der falsche Vorwurf, dass sich Israels Militäraktion vor allem gegen die unschuldige Zivilbevölkerung richtet), es geht mir dabei um eine gewisse Pietät, um den Respekt vor der Menschenwürde. Israel zeigt übrigens aus genau diesem Grund üblicherweise weder Bilder von toten oder verletzten israelischen Bürgern, auch entsprechende Bilder aus Gaza werden unkenntlich gemacht.
Im Übrigen freue ich mich, dass Sie in Ihrer Bildstrecke beide Seiten zeigen, auch wenn die israelische meines Erachtens tendenziell unterrepräsentiert ist.
Ich würde mich über eine Stellungnahme oder Antwort zu meiner Mail freuen und hoffe auf eine Richtigstellung der betreffenden Bilder.
Herzliche Grüsse
S.
La_Mia - 11. Jan, 17:49











