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Samstag, 8. März 2008

Die Macht der Bilder II

Vor kurzem gab es auf Honest Reporting eine Untersuchung der Bilder, welche von Reuters als "Bilder des Monats" ausgewählt worden sind.

Lila hat darüber geschrieben.

Ich zitiere sie:

Es sind jeden Monat ca. 250 Bilder, aus verschiedenen Bereichen, die von Reuters besonders herausgehoben und für gut gehalten werden. 124 Bilder präsentieren den Koflikt zwischen Israel und den Palästinensern und wurden von Honest Reporting analysiert.

[...]

62% der Bilder erwecken Empathie für die Palästinenser. 28% sind neutral. Und 10% zeigen die Israelis in sympathischem Licht.


Heute habe ich mich mal wieder auf die Seite der Zeitschrift "Stern" verirrt, und habe dort die "Bilder einer Woche" angeschaut. Zumindest in dieser Woche stellen die ausgewählten Bilder die Ergebnisse der Reuters-Untersuchung in den Schatten.

Von 30 Bildern betreffen fünf den israelisch-palästinensischen Konflikt.

Die Bildreihe wird mit folgenden Worten eingeleitet:

Bilder einer Woche

Augenblicke aus aller Welt
Ein bengalischer Tiger mit Pfotenschmerzen, die Beerdigung eines palästinensischen Babys, Bodybuilder bei den Arnold-Schwarzenegger-Spielen. Hier zeigt stern.de intensive Momente aus aller Welt. Ein Wochenrückblick in Bildern.


Das erste Bild, Bild Nummer 9 in der Wochenschau, zeigt die Beerdigung eines palästinensischen Babys.

5. März 2008
Gaza-Stadt, Gaza - Ein Baby wird beerdigt: Die eineinhalb Monate alte Ameera Abu Asser ist bei einem Schusswechsel zwischen israelischen Soldaten und Hamas-Kämpfern getötet worden


Das zweite Bild, Bild Nummer 13, eine Strassenszene in Hebron.

4. März 2008
Hebron, Palästina - Israelische Soldaten patrouillieren im Rahmen ihrer Militäroffensive durch die Altstadt von Hebron. Ein palästinensisches Baby schaut unerschrocken zu. Das derzeitige Aufflackern des Konflikts hat dazu geführt, dass Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Friedensgespräche vorerst auf Eis gelegt hat


Das dritte Bild, Bild Nummer 17, zeigt eine Strassenszene in Jerusalem.

3. März 2008
Jerusalem, Israel - Tragischer Vorfall in der heiligen Stadt: Ein berittener Polizist versucht, Palästinenser in das arabische Viertel zurückzudrängen, nachdem es am Morgen zu Unruhen gekommen ist. Ein Israeli wird von einer Gruppe junger Palästinenser eingekreist und erschießt eine 17-Jährige, weil er sich bedroht fühlt


"Bedroht fühlt", wohlgemerkt. Von einer wahren Bedrohung ist nicht die Rede. Auch nicht davon, dass der Israeli Angst hatte, dass die Jugendlichen ihn lynchen werden und er einen Angreifer in Notwehr getötet hat.

Das vierte Bild, mein Lieblingsbild, Bild Nummer 19, zeigt eine Szene aus Gaza.
3. März 2008
Jabalia, Gaza - Nach dem Rückzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen inspizieren Anwohner ihre teilweise zerstörten Häuser. Die Israelis wollten mit der Militäraktion den ständigen Raketenbeschuss der in Gaza regierenden Hamas auf jüdische Siedler unterbinden


Raketenbeschuss auf jüdische Siedler? Ich dachte, ich habe mich verlesen. Stern nennt die Bewohner von Sderot, Ashkelon und der ganzen Gegend an der Grenze des Gazastreifens, Siedler. Unter jüdischen Siedler versteht man i.d.R. Leute, die jenseits der grünen Linie auf palästinensischem Territorium der Westbank (früher auch in Gaza) leben. Aus Gaza hat Israel sich längst zurück gezogen - es gibt keine jüdischen Siedler mehr in Gaza, schon gar nicht auf israelischem Land.

Das fünfte Bild schliesslich, Bild Nummer 22 der Fotoreihe, zeigt einen gefangenen Palästinenser.

2. März 2008
Gaza-Stadt, Gaza - Ein israelischer Soldat eskortiert einen gefangenen Palästinenser an die israelische Grenze


30 Bilder, fünf davon über den israelisch-palästinensischen Konflikt, alle fünf zeigen ein negatives Bild von Israel, unterstützt von tendenziösen, teilweise sogar falschen Bildunterschriften. Israel wird aussschliesslich als Täter dargestellt, als bewaffnete Polizisten oder Soldaten, bedrohend, zerstörend, tötend. Es werden keine israelischen Opfer gezeigt sondern ausschliesslich palästinensische. Die Auswirkungen des palästinensischen Terrors wird ganz weggelassen.

Das Attentat in Jerusalem zum Beispiel (ein Terrorist erschoss in einer Yeshiva, einer jüdischen Religionsschule 8 junge Menschen im Alter zwischen 15 und 26 Jahren) fehlt ganz, evtl. hat's zeitlich nicht mehr ganz gereicht.

Während dieser Woche wurden von Gaza aus ungefähr 300 Raketen auf Israel geschossen, in Sderot wurde ein Student, Vater von vier Kindern getötet. Nicht ein Bild davon wurde gezeigt.

Für eine nähere Analyse (auch anderer Wochen) fehlt mir die Zeit. Aber zumindest in dieser Woche zeigt Stern eine Einseitigkeit, die mich sprachlos macht.

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