Sonntag, 15. Januar 2012

Mein Neffe

Der Neffe von Shahaf (also auch ein bisschen mein Neffe) hat kürzlich, als wir seine Familie besucht haben, Polizei gespielt. Seine Grossmutter war früher Polizistin, hat also ganz tolle Polizeiutensilien, die sich für lustige Spiele eignen.

Er kam zu mir, um mir eine Busse auszustellen. Da er gerade schreiben gelernt hat, schreibt er auf: Meinen Namen und dann die Summe, die ich bezahlen muss. 1 Million Shekel. (Keine Ahnung, für welches Vergehen oder Verbrechen ich da gebüsst wurde.) Da er jedoch offensichtlich noch nicht gelernt hat, dass das Hebräische zwar von rechts nach links geschrieben wird, die Zahlen aber trotzdem von links nach rechts (was ich weiterhin verwirrend finde), schrieb er auf, dass ich 000'000'1 Shekel bezahlen muss.

Ich fand, dass ich ihm netterweise, wenn ich ihm schon erkläre, dass er mir keine Busse über eine Million, sondern lediglich über einen Shekel ausgestellt hat, diesen einen Shekel geben kann.

Er nahm den Shekel, kam aber kurz darauf zu mir zurück, um zu aller Erheiterung zu erklären, dass ich eine Freierit [Freier, auf engl. sucker, auf dt. vielleicht ein Trottel? Ist sehr umgangsprachlich, hat nicht die gleiche Bedeutung wie das dt. Wort "Freier". Leute, die sich ausnützen lassen, werden als Freier bezeichnet.] sei, es sei doch nur ein Spiel gewesen, ich müsse nicht bezahlen. Sagt's und gibt mir tatsächlich meinen Shekel zurück. ;-)

PS: Scheibenwischer beim Auto heissen auf Hebräisch: Wischerim. (-im ist eine hebräische Mehrzahlendung.)

Ver(w)irrt

Gestern auf unserem Shabbat-Ausflug in den Norden (wir haben es nicht ganz bis zum Schnee geschafft, zu viele Leute unterwegs; aber es soll im Hermon einen Meter Neuschnee haben) sind wir wohl ein bisschen zu sehr nördlich gefahren, so dass wir plötzlich in Kabul landeten. ;-)

Abgesehen davon war der Ausflug sehr schön, es war neblig, regnerisch, windig, teilweise sah der Galil (Galiläa) sehr europäisch aus.

Am Abend waren wir in unserer Stammbar, in der ernsthaft Modern Talking gespielt wurde. Nach ein paar Bierchen gingen wir noch koschere-arabische Pizza essen bei Ali, der übrigens dringend eine Schweizer Freundin möchte. Interessentinnen mögen sich bitte melden.

Gerade wasche ich Wäsche, danach gehen wir einkaufen, morgen geht's bereits wieder zurück in die Schweiz ...

Montag, 2. Januar 2012

Differenzieren, nur ein bisschen

Lila, die wieder fleissig bloggt, hat mal ein wenig Grautöne in die Berichterstattung zu den momentanen Problemen um ultra-orthodoxe Juden in Israel gebracht, nachzulesen unter Walfang in der Schweiz.

Ich bin gut in Israel angekommen, kämpfe mich aber wieder einmal durch eine üble Erkältung. Winter in Israel scheint mir nicht zu bekommen, aber ich bin ja schon froh, dass es nur eine Erkältung ist und keine Angina.

Die letzte Woche war ziemlich voll von spannenden Aktivitäten, wir haben viel mit Shahafs Familie unternommen, waren an einer indisch-irakischen jüdischen Hochzeit und haben uns in Tel Aviv einen Tanzabend der Batsheva Dance Company angeschaut. Alles ganz toll. Silvester haben wir in Haifa gefeiert.

In diesem Sinne: Ein gutes neues Jahr euch allen.

Donnerstag, 3. November 2011

20min vermag zu überraschen.

Gerade auf 20min online gefunden:

Ein Interview mit einer schweizerisch-israelischen Doppelbürgerin, die in Aschdod lebt und damit direkt von den Raketen aus Gaza betroffen ist.

http://www.20min.ch/news/dossier/nahost/story/Ein-Leben-mitten-im-Raketen-Terror-25790355

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Ach, wollen wir mal wieder ein bisschen analyisieren?

Fangen wir mal mit dem Titel eines Artikels auf 20min an:

"Israel fliegt Angriffe auf Gazastreifen"

Was denken wir? Oh, böse Israelis! Greifen Gaza an!

Lesen wir weiter:

Es sind die ersten Angriffe auf den Gazastreifen seit dem Gefangenenaustauch von letzter Woche: Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht Ziele im Gazastreifen angegriffen.

Hey, die Hamas war doch so nett, einem Gefangenenaustausch zuzustimmen. Und Israel greift trotzdem Gaza an?

Und weiter geht's mit Erläuterungen: israelische Luftwache hat mindestens drei Angriffe geflogen, Zeile im Osten und Westen des Ortes Chan Juni, Stützpunkt der Essedin-El-Kassam-Brigaden. Dann kurze Erklärung zu den Brigaden. Eine Bestätigung des israelischen Armeesprechers: Waffenwerkstatt und "terroristische" Ziele (ja, terroristisch mit ", weil man sich ja darüber streiten kann, ob das nun terroristische Ziele sind oder nicht) und die Versicherung, dass niemand verletzt wurde.

Ach, und dann, ja dann (liest das überhaupt noch jemand?) folgt erst der Grund für die Angriffe:

Zuvor war aus dem Gazastreifen eine Rakete auf Israel abgeschossen worden. Die in der Gegend von Aschdod im Süden des Landes eingeschlossene Rakete habe niemanden verletzt, sagte eine israelische Militärsprecherin.

Ach so. Israel hat gar nicht angefangen. Israel hat nur reagiert. Hätte man doch gleich sagen können.

Nur so zum Vergleich:

Haaretz titelt "IDF greift drei Orte in Gaza an, nachdem eine Rakete in Israel gelandet ist"

Ynet:"Grad-Rakete landet in der Nähe von Aschdod"

Jerusalem Post: "IDF reagiert auf Raketenangriffe und greift Terrorzentren in Gaza an"

So könnte man es auch ausdrücken ...

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Some more music:

Schon ein bisschen älter, dafür sehr schön und melancholisch: "Acharei hakol at shir" von Shlomo Artzi, Lyrics und Übersetzung hier.

http://youtu.be/P4KnqxpoKkM

Und, ohne Zusammenhang dazu, ohne Übersetzung und ohne Lyrics, das Lied "Im Auge des Sturms" von Eran Zur von seiner neusten CD:

http://youtu.be/1jR5CnSD1UU

Ein Lied, das ich sehr mag: Aviv Gadj und "Der Golem":

http://youtu.be/EMFYhS5wIS0

Damit versüsse ich mir gleich den stressigen Nachmittag, der vor mir liegt. ;-)

Sonntag, 23. Oktober 2011

Ein bisschen Musik zum Sonntag

Shlomi Saranga singt "At telchi basade":

http://youtu.be/FvMcW96xfG4

Den Songtext in Umschrift sowie die englische Übersetzung dazu gibt's hier.

(Das Lied entspricht so gar nicht Shlomi Sarangas üblichem Stil, er singt es für "Avoda Ivrith", ein Sammelalbum, auf dem israelische Sänger Lieder von anderen Sängern singen.)

Ebenfalls für Avoda Ivrith singt Arik Sinai "Rak etmol".

http://youtu.be/TJ6sh0UUNJU

Lyrics und Übersetzung hier.

(Aus irgendeinem Grund kann ich keine Videos mehr einbetten. Deswegen einfach die Links.)

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Mehr Geschichten

Mustafa Salim, ein arabischer Israeli, hat sein Haar und seinen Bart fünf Jahre lang nicht geschnitten - aus Solidarität zum entführten Soldaten Gilad Schalit.

Salim, der keine religiöse Person ist, hat sich nach der Entführung von Gilad Schalit im Jahr 2006 geweigert, sein Haar zu schneiden. Am gestrigen Dienstag, mit dem Gefangenenaustausch und der Freilassung von Gilad Schalit, hat er sich nun endlich rasieren und die Haare schneiden lassen können.

[...]

"Ich habe entschlossen, mein Gesichts- und Haupthaar nicht mehr anzufassen", sagte er. "Es war schwierig für mich zu sehen, wie die Entführung den Friedensprozess zerstört. Eine solche Entführung ist nicht mutig und beruht nicht auf der Kultur des Islam."

"Ich habe die Schalit-Familie persönlich nie kennen gelernt und will das auch nicht. Ich sehe lediglich die israelische Regierung, die alles für jemanden aus dem jüdischen Volk getan und sich selbst, um Gilad Schalit zu befreien, Risiken ausgesetzt hat. Der Deal, den sie abgeschlossen haben, ist sehr gut. Jeder, der gegen ihn ist, sollte sich vorstellen, wie es ist, an Stelle der Schalit-Familie zu sein."

Salim sagt, dass seine Geste auf viel Kritik gestossen sei. Viele hätten gedacht, er sei religiöser geworden. "Während dieser Zeit war ich einige Male in den besetzten Gebieten", sagte er. "Und wenn sie mich gefragt haben, habe ich die Wahrheit erzählt. Einige sagten 'Lasst Gilad Schalit sterben', andere unterstützten mich. Ich bin sehr stolz auf was ich getan habe und stolz auf den Staat Israel."

(Eine ungefähre Übersetzung dieses englischen Artikels auf Ynet.)

Arik Einstein widmet Gilad Schalit eine Ballade

Ein Artikel auf Englisch von Haaretz dazu ist hier zu finden, zudem gibt's dort die Möglichkeit, das Lied anzuhören und die englische Übersetzung des Lieds nachzulesen.

Wunderschön.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Schalit, Wertheimer und die ISCAR-Familie

Ein kleiner, aber nicht unbedeutender, Nebenstrang der Geschichte um Gilad Schalit ist verbunden mit einem der reichsten Männer Israels, Stef Wertheimer.

Stef Wertheimer wurde in Deutschland geboren und floh mit seiner Familie 1937 nach Palästina. In Israel baute er, äusserst erfolgreich, verschiedene Firmen auf. Mehr Infos gibt's auf Wiki.

Noam Schalit war als Ingenieur bei ISCAR im Tefen Industrial Park angestellt, einer Firma der Wertheimer-Familie. Nach der Entführung seines Sohnes nahm er zuerst Urlaub, danach wurde er von der Firma freigestellt, um sich seinem Kampf um die Freilassung von Gilad zu widmen - bei vollem Lohn, wohlgemerkt, ausbezahlt von Eitan Wertheimer von der Besitzerfamilie der Firma ISCAR. Als er in Jerusalem im Zelt sass, wo er Israel, die Politiker und die Bevölkerung daran erinnerte, dass sein Sohn immer noch in den Händen der Hamas war, wurde ihm von Wertheimer und der ISCAR-Familie eine Wohnung in Jerusalem zur Verfügung gestellt, damit er und seine Frau dort übernachten konnten. Sogar Einkäufe wurden in die Wohnung (und zu ihrem Haus in Mitzpe Hila) gebracht, damit sich die Schalit-Familie voll und ganz ihrer Mission widmen konnten: Gilad nach Hause zu bringen.

Dies alles, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Erst jetzt, als Gilad Schalit nach Hause zurück gekehrt ist, hat sich Eitan Wertheimer, der Sohn von Stef Wertheimer, öffentlich dazu geäussert. Er hat die Familie getroffen, beglückwünscht und umarmt. "Es ist ein grosser Moment für das israelische Volk, für die ISCAR-Familie, die mit Schalit stand während dieser Zeit. Aber es ist nicht Unübliches, was wir getan haben. Ich glaube, dass jeder Arbeitgeber in Israel das gleiche tun würde."

(Wer des Hebräischen mächtig ist, kann die Geschichte ausführlicher hier nachlesen.)

Diese Geschichte passt zu dem, was ich heute (und in den vergangenen fünf Jahren) im Fernsehen gesehen und in Israel erlebt habe: Ein Land, das sich um einen einzigen Soldaten sorgt und bangt. 79% der Israelis haben den Deal zur Freilassung von Gilad Schalit unterstützt, auch wenn der Preis hoch ist und noch nicht klar ist, wie die Situation im Nahen Osten durch die Freilassung von 1027 palästinensischen Gefangenen beeinflusst wird.

Gilad Schalit

Ich kann's kaum glauben. Ich sitze im Institut vor dem Computer und gucke die Liveübertragung um Gilads Rückkehr. Er soll bereits in Ägypten sein.

Gerade wurden die ersten Bilder von ihm gezeigt, im ägyptischen Fernsehen: Er lebt!

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