Inspiriert durch
Lilas Blogeintrag zu Riesenmörderspinnen (in den Kommentaren erwähnt sie zudem, wie sie einer toten Ratte indirekt die Existenz ihres Mannes verdankt), hier meine Geschichte mit den Dschukim, hebräisch für Kakerlaken.
Kakerlaken in Israel, das ist eine Geschichte für sich. Die Viecher sind nämlich mindestens so gross wie Lilas Riesenmörderspinnen. Ehrlich. Riesig. Einige von ihnen können sogar fliegen. Mutantendinger sind das.
Auch wenn sie ebenso gross wie eklig sind, hatten sie doch einmal etwas gutes. Shahaf und ich sind nämlich mehr oder weniger direkt zusammen gekommen. Das ging so:
Mein erstes Mal Israel war vor vielen Jahren, ich hatte mich damals für einen Ulpan, einen Sprachkurs, an der Uni Haifa eingeschrieben. Davor hatte ich bereits ein paar Semester eher oberflächlich an meiner Schweizer Uni Hebräisch belegt – eher oberflächlich, da lediglich drei Stunden die Woche. So lernt man die Sprache ja nicht wirklich, und ich fand, dass wenn ich schon Hebräisch lerne, ich dies auch ernsthaft tun sollte, eben in Israel, um bei der Gelegenheit Land und Leute kennen zu lernen. Schliesslich beschäftige ich mich studiumsbedingt mit Israel.
Kurz vor meiner Abreise nach Israel jedoch beschlossen ein paar Typen von der Hisbolla, israelische Soldaten zu entführen. In dem darauf folgenden Zweiten Libanonkrieg wurden zahlreiche Raketen auf Israel geschossen, u.a. auch auf Haifa, die Stadt, in der ich den Ulpan besuchen sollte. Nach längerem Abwägen und auf Rücksprache mit der Uni Haifa beschloss ich, trotzdem nach Israel zu fliegen. Der Ulpan wurde dann glücklicherweise nach Jerusalem verlegt, wo wir in den Dorms der Hebrew University untergebracht waren. Jerusalem liegt genügend weit weg vom Norden, vom Krieg haben wir nicht viel mitgekriegt. Es war uns jedoch verboten, in den Norden zu reisen (und nach Ostjerusalem und in die Westbank und überhaupt).
Nach drei Wochen Unterricht in Jerusalem (der Kurs sollte vier Wochen dauern und war sehr intensiv) konnten sich die Kriegsparteien auf einen Waffenstillstand einigen, und die Studierenden des Ulpans wurden nach Haifa zurück gefahren. Dort wohnten wir in den Dorms der Uni.
An der Uni Haifa gibt es zwei Dorms: Die Federman-Dorms und die Talia-Dorms. In den Federman-Dorms gibt es Doppelzimmer mit Gemeinschaftsdusche und –küche, in den Talia-Dorms Einzelzimmer mit eigenem Bad. Wir haben zuerst in den schöneren Talia-Dorms gewohnt, danach jedoch, nachdem der Ulpan zu Ende war, und ein paar ehemalige Ulpan-Studis und ich noch ein bisschen rumreisen wollten, mussten wir in die Federman-Dorms einziehen. Nach einem langen Wochenende in einem Kibbutz in der Nähe von Rechovot, kam ich also mit einer Freundin zurück in unser Dorm-Zimmer, nur um zu entdecken, dass dieses sozusagen mit Kakerlaken verseucht war. Riesige Dinger, wie ich oben beschrieben habe, und viele davon. Auf, unter, neben dem Bett, im Gepäck, auf den Regalen, überall. Eine nette Mitbewohnerin bot uns einen Giftspray an, aber wir waren so angeekelt, dass wir den Kakerlaken nicht mal auf Spraydistanz näher kommen wollten.
Wir riefen also Shahaf an, der in den Talia-Dorms unser hilfreicher Nachbar gewesen war (Essen, Wireless Internet, Geschirr, Informationen, Klatsch, Gespräche, Babykatzen [v.a. eine namens Fluffy]es gab nichts, was es bei Shahaf nicht gab) und fragten ihn um Rat. Hilfsbereit, wie er ist, bot er uns ein Zimmer in seiner Wohnung an. (Die Studis dort waren kriegs- und urlaubsbedingt weg, Shahaf hatte den Schlüssel.) Ich zog dort ein, er lud mich ein mit ihm einen Film zu schauen (irgendwas belangloses mit Jennifer Aniston, ich erinnere mich nicht wirklich), und der Rest ist Geschichte.
Und die Moral der Geschichte? Kakerlaken mögen noch so riesig und eklig sein – etwas Gutes hatten sie doch. Für einmal. Was aber nicht heisst, dass ich, wenn ich mal wieder eine in unserer Wohnung antreffe, nicht nach Shahaf kreischen werde, damit er sie beseitigt. (Ich, wie gesagt, komm ihnen lieber nicht zu nahe.)
La_Mia - 10. Apr, 21:45