Mittwoch, 9. Mai 2012

Kürzlich ...

... war der israelische Botschafter a.i., Shalom Cohen, bei uns an der Uni zu Besuch, um einen Vortrag zu halten über den arabischen Frühling. Wie das halt so ist, wenn der israelische Botschafter unterwegs ist, wurde er von vielen Männern schicken Anzügen begleitet, eigene Security und Schweizer Polizei.

Als wir im Vorlesungsraum sassen und auf den Beginn des Vortrags warteten, klingelte vor der Tür ein Handy eines Security Typen. Der Klingelton: Von der Fernsehserie 24, der CTU-Klingelton.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Google Street View Israel

Ja, auch in Israel gibt es nun Google Street View. Bei allen Sicherheits- und Privatsphärebedenken, die man (berechtigterweise) haben kann, bin ich gerade sehr glücklich, dass ich mich durch die Strassen Haifas, Tel Avivs und Jerusalems (diese Städte sind schon zu sehen) klicken darf.

Als Erstes habe ich natürlich unser Haus in Haifa angeschaut und den Blick aufs Meer genossen. Dann bin ich stundenlang durch die Stadt gekurvt - auf der Suche nach Shahafs Auto. Leider habe ich es nicht gefunden, möglicherweise war Shahaf zu dem Zeitpunkt, als die Google-Autos durch Haifa gefahren sind, in der Schweiz. (Wir haben von den Konzertankündigungen u.ä. den Zeitpunkt auf September/Oktober letzten Jahres eingrenzen können. Erst dann haben wir rausgefunden, dass Google selbst schreibt, wann die Bilder aufgenommen wurden. Im Oktober 2011 nämlich.) Danach habe ich virtuell alle möglichen Orte in Haifa besucht und nach Leuten gesucht, die ich kenne. Auch wenn die Gesichter jeweils unkenntlich gemacht werden: Wenn man weiss, nach wem man wo suchen muss, findet man. ;-)

Sich durch Tel Aviv zu klicken lohnt sich natürlich auch, genauso wie Jerusalem. Ich könnte den ganzen Tag so verbringen.

Gerade hab ich unglaubliches Fernweh. Ich will nach Israel! So schön Google Street View ist - das Land und die Leute können dadurch nicht wirklich ersetzt werden ...

Dienstag, 10. April 2012

Kakerlaken und anderes Getier

Inspiriert durch Lilas Blogeintrag zu Riesenmörderspinnen (in den Kommentaren erwähnt sie zudem, wie sie einer toten Ratte indirekt die Existenz ihres Mannes verdankt), hier meine Geschichte mit den Dschukim, hebräisch für Kakerlaken.

Kakerlaken in Israel, das ist eine Geschichte für sich. Die Viecher sind nämlich mindestens so gross wie Lilas Riesenmörderspinnen. Ehrlich. Riesig. Einige von ihnen können sogar fliegen. Mutantendinger sind das.

Auch wenn sie ebenso gross wie eklig sind, hatten sie doch einmal etwas gutes. Shahaf und ich sind nämlich mehr oder weniger direkt zusammen gekommen. Das ging so:

Mein erstes Mal Israel war vor vielen Jahren, ich hatte mich damals für einen Ulpan, einen Sprachkurs, an der Uni Haifa eingeschrieben. Davor hatte ich bereits ein paar Semester eher oberflächlich an meiner Schweizer Uni Hebräisch belegt – eher oberflächlich, da lediglich drei Stunden die Woche. So lernt man die Sprache ja nicht wirklich, und ich fand, dass wenn ich schon Hebräisch lerne, ich dies auch ernsthaft tun sollte, eben in Israel, um bei der Gelegenheit Land und Leute kennen zu lernen. Schliesslich beschäftige ich mich studiumsbedingt mit Israel.

Kurz vor meiner Abreise nach Israel jedoch beschlossen ein paar Typen von der Hisbolla, israelische Soldaten zu entführen. In dem darauf folgenden Zweiten Libanonkrieg wurden zahlreiche Raketen auf Israel geschossen, u.a. auch auf Haifa, die Stadt, in der ich den Ulpan besuchen sollte. Nach längerem Abwägen und auf Rücksprache mit der Uni Haifa beschloss ich, trotzdem nach Israel zu fliegen. Der Ulpan wurde dann glücklicherweise nach Jerusalem verlegt, wo wir in den Dorms der Hebrew University untergebracht waren. Jerusalem liegt genügend weit weg vom Norden, vom Krieg haben wir nicht viel mitgekriegt. Es war uns jedoch verboten, in den Norden zu reisen (und nach Ostjerusalem und in die Westbank und überhaupt).

Nach drei Wochen Unterricht in Jerusalem (der Kurs sollte vier Wochen dauern und war sehr intensiv) konnten sich die Kriegsparteien auf einen Waffenstillstand einigen, und die Studierenden des Ulpans wurden nach Haifa zurück gefahren. Dort wohnten wir in den Dorms der Uni.

An der Uni Haifa gibt es zwei Dorms: Die Federman-Dorms und die Talia-Dorms. In den Federman-Dorms gibt es Doppelzimmer mit Gemeinschaftsdusche und –küche, in den Talia-Dorms Einzelzimmer mit eigenem Bad. Wir haben zuerst in den schöneren Talia-Dorms gewohnt, danach jedoch, nachdem der Ulpan zu Ende war, und ein paar ehemalige Ulpan-Studis und ich noch ein bisschen rumreisen wollten, mussten wir in die Federman-Dorms einziehen. Nach einem langen Wochenende in einem Kibbutz in der Nähe von Rechovot, kam ich also mit einer Freundin zurück in unser Dorm-Zimmer, nur um zu entdecken, dass dieses sozusagen mit Kakerlaken verseucht war. Riesige Dinger, wie ich oben beschrieben habe, und viele davon. Auf, unter, neben dem Bett, im Gepäck, auf den Regalen, überall. Eine nette Mitbewohnerin bot uns einen Giftspray an, aber wir waren so angeekelt, dass wir den Kakerlaken nicht mal auf Spraydistanz näher kommen wollten.

Wir riefen also Shahaf an, der in den Talia-Dorms unser hilfreicher Nachbar gewesen war (Essen, Wireless Internet, Geschirr, Informationen, Klatsch, Gespräche, Babykatzen [v.a. eine namens Fluffy]es gab nichts, was es bei Shahaf nicht gab) und fragten ihn um Rat. Hilfsbereit, wie er ist, bot er uns ein Zimmer in seiner Wohnung an. (Die Studis dort waren kriegs- und urlaubsbedingt weg, Shahaf hatte den Schlüssel.) Ich zog dort ein, er lud mich ein mit ihm einen Film zu schauen (irgendwas belangloses mit Jennifer Aniston, ich erinnere mich nicht wirklich), und der Rest ist Geschichte.

Und die Moral der Geschichte? Kakerlaken mögen noch so riesig und eklig sein – etwas Gutes hatten sie doch. Für einmal. Was aber nicht heisst, dass ich, wenn ich mal wieder eine in unserer Wohnung antreffe, nicht nach Shahaf kreischen werde, damit er sie beseitigt. (Ich, wie gesagt, komm ihnen lieber nicht zu nahe.)

Donnerstag, 22. März 2012

Ein paar lesenswerte Links

Zur Situation der Juden in Frankreich: Spiegel Online.

Zur momentan noch mehrheitlich auf Facebook beschränkten Aktion "Israel loves Iran - Iran loves Israel": Ebenfalls Spon.

Ein paar Zahlen zur Situation um den Gazastreifen finden sich bei Lila, deren Berichterstattung sowieso immer empfehlenswert ist. Wie es sich anfühlt, von den Raketen direkt betroffen zu sein, beschreibt Ruth aus Beer Schewa.

Dienstag, 7. Februar 2012

Iran und so

Nun hat die Nachricht auch 20min erreicht. Vor mehr als zwei Wochen hat Lila unter dem Titel "Ernstnehmen oder nicht?" über eine Tablett-Werbung im israelischen Fernsehen geschrieben, eine Werbung, die schon lief, als ich über Silvester/Neujahr in Israel war, eine relativ harmlose und witzige Werbung.

Sie schloss ihren Blogeintrag mit den Worten: "Mal gucken, wann der erste deutsche Nahostexperte dieses Filmchen analysiert. Dann könnt Ihr sagen, bei Lila habt Ihr es zuerst gesehen".

Lila scheint hellsehen zu können, denn in der Tat folgte vor ein paar Tagen ein Artikel auf Spiegel Online: "Explosiver Plot: Israelisches Werbevideo empört Iran."

Gestern Abend habe ich dann auf 20min online folgenden Artikel entdeckt: "Erneut rätselhafte Explosion im Iran".

Schön ist auf jeden Fall, wie gleich im ersten Abschnitt alles verdreht wird. Israel überlegt sich einen Angriff auf iranische Atomanlagen. Dies versetzt "weite Teile der Welt in Angst und Schrecken". Uhm. Mich versetzt die Vorstellung eines nuklear bewaffneten Irans in Angst und Schrecken. Interessiert die Welt das wirklich nicht? Fängt das Problem tatsächlich erst an, wenn Israel auf eine bestehende Bedrohung reagiert? Iran hält sich ja nicht wirklich hinterm Berg mit expliziten Drohungen gegen Israel.

So weit, so schlecht. In der Folge wird der Clip kurz vorgestellt und als "fragwürdig" betitelt. Nun ja.

Am allerschönsten finde ich jedoch den letzten Abschnitt des Artikels. "Weil die Sanktionsmöglichkeiten gegenüber Israel begrenzt sind, richtete sich der iranische Zorn schnell gegen Samsung, den Hersteller des Tablets." Sanktionsmöglichkeiten begrenzt? Ach? Wie das? Es ist ganz einfach: Der Iran hat nicht wirklich Möglichkeiten, Israel zu boykottieren, weil er dies bereits tun. So gut wie vollständig. Wirtschaftlich, politisch, kulturell, sportlich, was auch immer. (Vielleicht wäre das mal erwähnenswert in einem Artikel zu Israel und Iran?) Da bleibt ihnen wohl nichts anderes übrig, als Samsung zu boykottieren.

Sonntag, 15. Januar 2012

Mein Neffe

Der Neffe von Shahaf (also auch ein bisschen mein Neffe) hat kürzlich, als wir seine Familie besucht haben, Polizei gespielt. Seine Grossmutter war früher Polizistin, hat also ganz tolle Polizeiutensilien, die sich für lustige Spiele eignen.

Er kam zu mir, um mir eine Busse auszustellen. Da er gerade schreiben gelernt hat, schreibt er auf: Meinen Namen und dann die Summe, die ich bezahlen muss. 1 Million Shekel. (Keine Ahnung, für welches Vergehen oder Verbrechen ich da gebüsst wurde.) Da er jedoch offensichtlich noch nicht gelernt hat, dass das Hebräische zwar von rechts nach links geschrieben wird, die Zahlen aber trotzdem von links nach rechts (was ich weiterhin verwirrend finde), schrieb er auf, dass ich 000'000'1 Shekel bezahlen muss.

Ich fand, dass ich ihm netterweise, wenn ich ihm schon erkläre, dass er mir keine Busse über eine Million, sondern lediglich über einen Shekel ausgestellt hat, diesen einen Shekel geben kann.

Er nahm den Shekel, kam aber kurz darauf zu mir zurück, um zu aller Erheiterung zu erklären, dass ich eine Freierit [Freier, auf engl. sucker, auf dt. vielleicht ein Trottel? Ist sehr umgangsprachlich, hat nicht die gleiche Bedeutung wie das dt. Wort "Freier". Leute, die sich ausnützen lassen, werden als Freier bezeichnet.] sei, es sei doch nur ein Spiel gewesen, ich müsse nicht bezahlen. Sagt's und gibt mir tatsächlich meinen Shekel zurück. ;-)

PS: Scheibenwischer beim Auto heissen auf Hebräisch: Wischerim. (-im ist eine hebräische Mehrzahlendung.)

Ver(w)irrt

Gestern auf unserem Shabbat-Ausflug in den Norden (wir haben es nicht ganz bis zum Schnee geschafft, zu viele Leute unterwegs; aber es soll im Hermon einen Meter Neuschnee haben) sind wir wohl ein bisschen zu sehr nördlich gefahren, so dass wir plötzlich in Kabul landeten. ;-)

Abgesehen davon war der Ausflug sehr schön, es war neblig, regnerisch, windig, teilweise sah der Galil (Galiläa) sehr europäisch aus.

Am Abend waren wir in unserer Stammbar, in der ernsthaft Modern Talking gespielt wurde. Nach ein paar Bierchen gingen wir noch koschere-arabische Pizza essen bei Ali, der übrigens dringend eine Schweizer Freundin möchte. Interessentinnen mögen sich bitte melden.

Gerade wasche ich Wäsche, danach gehen wir einkaufen, morgen geht's bereits wieder zurück in die Schweiz ...

Montag, 2. Januar 2012

Differenzieren, nur ein bisschen

Lila, die wieder fleissig bloggt, hat mal ein wenig Grautöne in die Berichterstattung zu den momentanen Problemen um ultra-orthodoxe Juden in Israel gebracht, nachzulesen unter Walfang in der Schweiz.

Ich bin gut in Israel angekommen, kämpfe mich aber wieder einmal durch eine üble Erkältung. Winter in Israel scheint mir nicht zu bekommen, aber ich bin ja schon froh, dass es nur eine Erkältung ist und keine Angina.

Die letzte Woche war ziemlich voll von spannenden Aktivitäten, wir haben viel mit Shahafs Familie unternommen, waren an einer indisch-irakischen jüdischen Hochzeit und haben uns in Tel Aviv einen Tanzabend der Batsheva Dance Company angeschaut. Alles ganz toll. Silvester haben wir in Haifa gefeiert.

In diesem Sinne: Ein gutes neues Jahr euch allen.

Donnerstag, 3. November 2011

20min vermag zu überraschen.

Gerade auf 20min online gefunden:

Ein Interview mit einer schweizerisch-israelischen Doppelbürgerin, die in Aschdod lebt und damit direkt von den Raketen aus Gaza betroffen ist.

http://www.20min.ch/news/dossier/nahost/story/Ein-Leben-mitten-im-Raketen-Terror-25790355

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