Sal’it und ein Interview
Letzte Woche hatte ich ein Interview mit den Kindern von der Person, über die ich meine Dissertation schreibe. Ich hatte schon länger versucht, M., den Sohn, telefonisch zu erreichen, ich habe sogar wahllos bei Leuten mit dem gleichen Namen angerufen, nur um rauszufinden, dass dieser M. nicht der gesuchte M. ist. Alles also erfolglos. Meine letzte Hoffnung war, eine E-Mail an eine E-Mail-Adresse zu schicken, von der ich weder wusste, ob sie stimmt noch ob sie aktuell ist. Ich hatte Glück, am nächsten Tag bereits rief mich ein äusserst freundlicher M. an, er habe sich sehr über meine E-Mail gefreut und würde sich gerne mit mir treffen. Da er davon ausgehe, dass auch seine Schwester etwas zu dem Gespräch beizutragen habe, hätte er auch sie informiert. Wir sollten uns am besten bei ihr zuhause treffen, das liegt ein bisschen näher an Haifa als Jerusalem.
Er gab mir dann die Details und die Adresse seiner Schwester. Sie wohnt in Sal’it. Er erklärte mir, dass Sal’it ein Moshav in der Nähe von Kfar Saba sei, gleich neben der arabischen Ortschaft Tira. Ich hatte noch nie von Sal’it gehört, war aber überzeugt, dass ich mit Shahafs Hilfe und einem Navigationsgerät den Weg bestimmt finden würde.
Es stellte sich dann heraus, dass Sal’it nicht ein normaler Moshav ist. Sal’it liegt nämlich auf der anderen Seite der Grünen Linie, also in der Westbank. Da zu vernünftigen Zeiten keine Busse nach Sal’it fahren (angeblich gibt es dreimal täglich eine Busverbindung nach Kfar Saba), habe ich Shahaf verknurrt, mich zu fahren. (Shahaf, als israelischer Linker, ist nun nicht wirklich ein grosser Fan von Siedlungen in der Westbank.) Der Plan war, dass er mich dort absetzt und dann weiter nach Rishon LeZion fährt, um dort ein paar Sachen zu erledigen. M. und seine Schwester hatten aber andere Pläne: Als ich allein vor ihrer Tür stand, fragten sie ganz entsetzt, wo denn mein Freund sei. Ich: Er will uns nicht stören und ich will ihn nicht langweilen, indem er unserem Interview zuhören muss. Sie beharrten jedoch darauf, dass ich ihn gleich anrufe, schliesslich hätten sie für uns Mittagessen gekocht. Keine Chance, Shahaf musste zurück kommen.
Das Interview war unglaublich toll. Beide waren sehr offen und haben über ihren Vater erzählt. Sie haben auch viel Material über ihn, das sie mir gerne zur Verfügung stellen werden. Auch beim Essen liessen sie sich nicht lumpen: Nach mehreren Salaten und einer Linsensuppe gab es zum Hauptgang gebratenen Lachs mit verschiedenen Beilagen. Wir waren über vier Stunden in Sal’it. Es war wunderschönes Frühlingswetter, Sal’it liegt idyllisch auf einem Hügel, zwischendurch hörte man den Muezzin von den umliegenden arabischen Dörfern. Bei schönem Wetter sieht man bis zum Mittelmeer.
Beim Rückweg habe ich mich mit Shahaf (der nicht nur das Essen mochte, sondern auch das Interview durchaus interessant fand) über Sal’it unterhalten. Er meinte, Sal’it seine keine der „schlimmen“ Siedlungen, die Leute, die dort wohnen, seien durchaus „normal“, also keine Extremisten. Ich fand es immer schwierig nachvollziehbar, wie jemand in einer Siedlung in der Westbank leben kann. Sal’it mag vielleicht nicht „schlimm“ sein, aber es ist einer der Siedlungen, wegen der der Verlauf des Sicherheitszauns erheblich von der Waffenstillstandslinie abweicht. (Eine Suche auf Google Maps nach „Sal’it, Israel“ zeigt das Problem deutlich.)
Nach den Wahlen habe ich dann mal recherchiert, wie sich die Einwohner von Sal’it politisch positionieren. Das Ergebnis: 33.67% haben für die zentrum-links-liberale Yesh Atid gestimmt. 23.23% für die linke Avoda. Likud-Betenu hat lediglich 18.18% der Stimmen bekommen, gefolgt von HaTnua (Mitte) mit 8.42 und Meretz mit 6.40%. Die eigentliche „Siedlerpartei“, HaBait HaYehudi hat gerade mal 2.69% der Stimmen bekommen. Nur zum Vergleich, die religiöse Siedlung Bet El: Da hat letztere fast 70% aller Stimmen bekommen, gefolgt von weiteren religiösen und rechten Parteien. Sal’it scheint also wirklich nicht das zu sein, was man sich gemeinhin unter einer Siedlung in der Westbank vorstellt.
Er gab mir dann die Details und die Adresse seiner Schwester. Sie wohnt in Sal’it. Er erklärte mir, dass Sal’it ein Moshav in der Nähe von Kfar Saba sei, gleich neben der arabischen Ortschaft Tira. Ich hatte noch nie von Sal’it gehört, war aber überzeugt, dass ich mit Shahafs Hilfe und einem Navigationsgerät den Weg bestimmt finden würde.
Es stellte sich dann heraus, dass Sal’it nicht ein normaler Moshav ist. Sal’it liegt nämlich auf der anderen Seite der Grünen Linie, also in der Westbank. Da zu vernünftigen Zeiten keine Busse nach Sal’it fahren (angeblich gibt es dreimal täglich eine Busverbindung nach Kfar Saba), habe ich Shahaf verknurrt, mich zu fahren. (Shahaf, als israelischer Linker, ist nun nicht wirklich ein grosser Fan von Siedlungen in der Westbank.) Der Plan war, dass er mich dort absetzt und dann weiter nach Rishon LeZion fährt, um dort ein paar Sachen zu erledigen. M. und seine Schwester hatten aber andere Pläne: Als ich allein vor ihrer Tür stand, fragten sie ganz entsetzt, wo denn mein Freund sei. Ich: Er will uns nicht stören und ich will ihn nicht langweilen, indem er unserem Interview zuhören muss. Sie beharrten jedoch darauf, dass ich ihn gleich anrufe, schliesslich hätten sie für uns Mittagessen gekocht. Keine Chance, Shahaf musste zurück kommen.
Das Interview war unglaublich toll. Beide waren sehr offen und haben über ihren Vater erzählt. Sie haben auch viel Material über ihn, das sie mir gerne zur Verfügung stellen werden. Auch beim Essen liessen sie sich nicht lumpen: Nach mehreren Salaten und einer Linsensuppe gab es zum Hauptgang gebratenen Lachs mit verschiedenen Beilagen. Wir waren über vier Stunden in Sal’it. Es war wunderschönes Frühlingswetter, Sal’it liegt idyllisch auf einem Hügel, zwischendurch hörte man den Muezzin von den umliegenden arabischen Dörfern. Bei schönem Wetter sieht man bis zum Mittelmeer.
Beim Rückweg habe ich mich mit Shahaf (der nicht nur das Essen mochte, sondern auch das Interview durchaus interessant fand) über Sal’it unterhalten. Er meinte, Sal’it seine keine der „schlimmen“ Siedlungen, die Leute, die dort wohnen, seien durchaus „normal“, also keine Extremisten. Ich fand es immer schwierig nachvollziehbar, wie jemand in einer Siedlung in der Westbank leben kann. Sal’it mag vielleicht nicht „schlimm“ sein, aber es ist einer der Siedlungen, wegen der der Verlauf des Sicherheitszauns erheblich von der Waffenstillstandslinie abweicht. (Eine Suche auf Google Maps nach „Sal’it, Israel“ zeigt das Problem deutlich.)
Nach den Wahlen habe ich dann mal recherchiert, wie sich die Einwohner von Sal’it politisch positionieren. Das Ergebnis: 33.67% haben für die zentrum-links-liberale Yesh Atid gestimmt. 23.23% für die linke Avoda. Likud-Betenu hat lediglich 18.18% der Stimmen bekommen, gefolgt von HaTnua (Mitte) mit 8.42 und Meretz mit 6.40%. Die eigentliche „Siedlerpartei“, HaBait HaYehudi hat gerade mal 2.69% der Stimmen bekommen. Nur zum Vergleich, die religiöse Siedlung Bet El: Da hat letztere fast 70% aller Stimmen bekommen, gefolgt von weiteren religiösen und rechten Parteien. Sal’it scheint also wirklich nicht das zu sein, was man sich gemeinhin unter einer Siedlung in der Westbank vorstellt.
La_Mia - 26. Jan, 21:44

